Sagenschatz

vom Drachen

Hirschsprung

Vor etwa 50 Jahren wurde der Drache beobachtet,
wie er nachts in Gestalt eines feurigen Fisches vom
Kahleberg herab nach einem Hause in Hirschsprung
fuhr. Als er zur Esse hineingeschlüpft war, leuchteten
alle Fenster des Hauses in hellem Lichtschein auf.
Der Drache wird auch heute noch vielfach beobachtet,
meist in der Gestalt einer feurigen Kugel oder eines
leuchtenden Fisches mit feurigem Schweif. Er zieht am
Himmel hin und verschwindet in der Feueresse. Er wird
nicht von allen Menschen gleichmäßig gesehen; es ist
vorgekommen, daß ihn einzelne Personen gesehen haben,
während danebenstehende andere Beobachter gar nichts
bemerkten. Es wird behauptet, daß der Drache in der
Scheune oder aus dem Boden seiner Herrschaft wohne
und mit Semmelmilch oder Milchhirse gefüttert werden
müsse. Wenn er in feuriger Gestalt nach Hause zieht,
kommt er mit Getreide. Butter usw. beladen. Wo er
diesen reichen Segen herholt, das sagt schon Mephistopheles
in Goethes Faust: Jch hab’s woanders hergenommen.

Quelle: Klengel Sagenbuch des östlichen Erzgebirges


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