Sagenschatz

Der gespenstige Pudel am Rauschermühlenteich

Altenberg / Hirschsprung

Um die Mitte der siebziger Jahre des vorigen
Jahrhunderts ließ sich aus dem Damme des Rauschermühlenteiches bei Hirschsprung zuweilen um Mitternacht
ein schwarzer Pudel mit feurigen Augen sehen. Als
meine verstorbene Mutter ein junges Mädchen war,
sah sie das gespenstige Tier mehrmals, wenn sie zur
Nachtzeit von Köllners Vorwerk aus der Rockenstube
kam und auf geradem Wege über den Teichdamm nach
der Rauschermühle ging. Obwohl sie in der Einsam-
keit ihres Vaterhauses, der im Jahre 1925 vom Blitz-
schlag eingeäscherten Rauschermühle, keine Furcht ken-
nen gelernt hatte, kam ihr die seltsame Erscheinung doch
unheimlich vor, und sie äußerte zu ihrer Mutter, sie
werde das nächste mal lieber einen Umweg machen
und die Straße entlang gehen. Darauf entgegnete ihr
die Mutter, daß sie dann an der Straßendrehe ober-
halb des Teiches dem Pudel erst recht in den Weg
laufen werde. Der Mutter war der Pudel eine längst
bekannte Erscheinung; sie hatte ihrer Tochter nur nichts
davon gesagt, um sie nicht unnötig zu ängstigen. Meine
Mutter erfuhr dabei noch, daß der Pudel einstmals
auch ihres Vaters achtzehnjähriger Schwester begegnet
sei; er habe sich vor ihr aufgerichtet und "Männchen"
gemacht. Das junge Mädchen sei darüber so erschrocken,
daß es bald nachher starb. Meine Mutter und auch
andere Leute sind dem gespenstigem Pudel später noch
oftmals begegnet; man hat nichts besonderes mehr daran
gefunden und sich auch nicht mehr vor ihm gefürchtet.

Quelle: Klengel Sagenbuch des östlichen Erzgebirges


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