Sagenschatz

Am Vorwerksring

Sohra

Unweit vom Jungfernborn liegt, umgeben von sumpfigen Wiesen, ein anderer Spukort — der "Vorwerksring". Hier soll ehedem ein Vorwerk des Freiberger Klosters gestanden haben. Man vermutet noch heute unterirdische Gänge vom Vorwerksring nach Freiberg. Der Vorwerksmann soll, wie man sich erzählt, hier sein Unwesen treiben. Man sah ihn auf zwei weißen Ziegenböcken gleichzeitig reiten. Auch soll er keinen Kopf besessen haben und trotzdem laut "Heho! — Heho!" geschrien haben. Früher muß er sich noch in guten Verhältnissen befunden haben; denn da sah man ihn in mondklaren Nächten zwölf Uhr gar mit silbernen Kugeln Kegel schieben. Auch einen guten Wächter schien er zu besitzen. Vorübergehende wurden oft von einem Hund mit feurigen Augen angehalten, der sie nicht weitergehen ließ. Ja, es wird sogar behauptet, daß dieser Hund, wenn er besonders übler Laune war, die Betreffenden nicht einmal mehr zurückgelassen hätte. Verschwiegen wird aber, was in diesem Falle mit ihnen geschehen ist. Die sumpfige Umgebung zauberte auch Irrlichter in Mengen hervor. So sollen auch einmal zwei Kinder, die noch in später Abendstunde vom Besuch ihrer Urgroßmutter in Pretzschendorf nach Oberbobritzsch heimkehren wollten, plötzlich am Vorwerksring ein großes, hell erleuchtetes Haus bemerkt haben, welches aber am Tage noch nicht hier gestanden hatte. Eine alte Frau kehrte die großen Gemächer aus. Die Kinder, völlig verwirrt, wußten nicht mehr wo sie sich befanden und wie sie sich heimfinden sollten. Da näherte sich ihnen ein Licht im Walde und ein alter Mann kam und führte sie zurecht. (Nach Kaden.)

Quelle: M. A. Reinhold Was erzählt man sich im östlichen Erzgebirge


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