Sagenschatz

Noch ein Franzosenschatz

Tissa

Charel Louis Leduquin war einer jener französischen Edelleute, welche die Guillotinierung Ludwigs XVI. mitangesehen halten. Er floh, um diesem Schicksale zu entgehen. Zum Aufenthalte erwählte er die Thissaer Wände. In diesen höhlen- und klüftereichen Felsen versteckte er seinen Schatz. Allein, entweder merkte er sich den Ort nicht genau oder er wurde ihm geraubt, kurz, er fand ihn, als er später darnach suchte, nicht mehr. Hierüber entsetzte er sich so sehr, daß er irre wurde. Er verbrachte seine Zeit in den Dörfern um Nollendorf. Geld verdiente er, indem er Tiere zu heilen versuchte. Das war ihm auch oft geglückt. Viel beschäftigte er sich auch mit dem "Papinschen Topfe". Anfangs trug er gestickte, seinem Stande und der französischen Mode entsprechende Kleider. Dann sah man ihn aber in einem langen, grünen Fracke und hohen Stiefeln und mit einem breiten Hute auf dem Kopfe. Zuweilen trug er auch Flinte und Degen. Leduquin hatte einen langen Bart, den er stets in der Weste eingeknöpft trug. In der letzten Zeit suchte er sich besonders bei den Bauern nützlich zu machen, um dafür ein hartes Nachtlager oder eine karge Mahlzeit zu erhalten. Schließlich kam er zu einem Bauer in Groß - Kaudern, wo er, auf einer Schütte Stroh gebettet, an einem Schupfen hohen Alters verstarb.

Quelle: Hübner Heimatkunde des Bezirkes Aussig 2. Teil, 1. Die Sagen


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