Der Freischuß

Neukirch/Lausitz

Wer ein Freischütz werden will, muß beim heiligen Abendmahl die Hostie aus dem Munde nehmen und aufbewahren. Er muß dann in der Nacht des Neumondes dieselbe mittels einer Nadel oder eines Nagels an einen Baum stecken und mit über die Schulter gelegtem Rohre rückwärts danach schießen. Würde er sich dabei umdrehen, so sähe er Christum am Kreuze hängend, wie des Erlösers Menschengestalt wirklich ausgesehen habe. Ist der Freischuß gefallen, so kann sich der Schütze jedes beliebige Ziel wünschen, er trifft es. Tiere oder Menschen, selbst in weitester Ferne, die er bezeichnet, streckt seine Kugel nieder. Diese Zaubermacht währt bis zum Tode des Freischützen.
Einst hatte ein Mann aus Oberneukirch alles zum Freischuß vorbereitet, die geweihte Hostie an den Baum gesteckt und das Gewehr geladen- Schon stand er abgekehrt von dem Gnadenmittel und hatte das Rohr zum Rückwärtsschießen über die Schulter gelegt, da befiel ihn, den sonst Furchtlosen, ein unheimliches Grausen, zumal sich plötzlich ein grässlicher Sturm erhob, der die Wipfel der Bäume des Waldes fast bis zur Erde niederbog. Er konnte sich nicht bemeistern, ein wenig über die linke Schulter zurückzublicken. Da sah er wirklich en Heiland mit der Dornenkrone am Kreuze, umschlossen von einem hellen Strahlenschimmer. Schnell warf er die Büchse weg und eilte so schnell ihn seine Füße trugen, von dannen. Er besserte seinen gottlosen Wandel und wurde von da ab der gläubigste Christ.

Quelle: Meiche Sagenbuch der Sächsischen Schweiz und ihrer Randgebiete


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Vermuteter Sagen-Ort (ich war ja nicht dabei). Wer es besser weiß, kann mir bitte bitte einen Tipp geben.