Sagenschatz

Der Blutstein am Geisingberge

Geising

Ostwärts vom Geisingberge am alten Bärensteiner Wege, der durch die "Meesenspree" führt, lag einst ein großer Granitporphyrblock, der im Volksmunde und auf den Flurkarten den Namen "Blutstein" führte, einsam auf einer Wiese. Der seltsame Stein, um den sich ein ganzer Sagenkreis gewunden hatte, ist im Jahre 1920 beim Bahnbau mutwillig zerstört worden. Die Zerstörung geschah weder im Einverständnis mit dem Flurbesitzer noch etwa im Austrage der Bauleitung, der der Stein nicht im Wege lag, da die Bahnlinie ab- seits davon vorüberführt. Die Sage berichtete u. a., daß unter dem Blutstein ein Schatz vergraben liege, den man vor vielen Jahren einmal zu heben versuchte. Als man den Stein anbohrte, um ihn zu sprengen, quoll Blut aus dem Bohrloche, wovon dann der Stein seinen seltsamen Namen erhielt. Es gelang schließlich, ein faustgroßes Stück vom Steine abzusprengen, das jedoch nach dem Nieder- fallen so groß und schwer geworden war, daß es von einem Manne allein nicht bewegt werden konnte. Mit den Mitteln moderner Sprengtechnik gelang die Zerstörung des Blutsteins sehr gründlich. Ein Schatz ist freilich nicht zum Vorschein gekommen; es wurde nur der Schatz der Sage, der mit dem Blutstein verbunden war, zwar nicht gehoben, dafür aber gründlich zerstört; denn die Sagen selbst sind mit dem Verschwinden des Steines gegenstandslos geworden; sie werden verwehen, wie der Pulverdampf, der nach der Zerstörung über den Steintrümmern lag.

Quelle: Klengel Sagenbuch des östlichen Erzgebirges


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