Sagenschatz

Pestpfarrer Wolfgang Uhle

Clausnitz

Unstet und flüchtig irrte seit fünf Jahren in den böhmischen Grenzorten und Waldungen ein geächteter sächsischer Geistlicher umher. Es war Wolfgang Uhle, ein Bürgerssohn aus Elterlein, welcher im Jahre 1568 von dem Herrn von Schönberg auf Porschenstein das Pfarramt zu Clausnitz erhalten und hier am 10. Julius 1563 im wild auflodernden Jäihzorn den dasigen Dorf-Richter, Georg Biber, mit einem Hammer erschlagen hatte. Die schnelle Flucht nach Böhmen hatte ihn der gerechten Strafe für die grause That entzogen, aber es war über ihn das Todesurtheil ausgesprochen worden. Als ihm nun die Bedrängniß der Stadt Annaberg kund wurde, so ließ er dem Rathe sagen, das er sein Leben dem Troste der Pestkranken opfern wolle,wenn er begnadigt würde. Der Churfürst August begnadigte ihn nun auch unter der Bedingung, daß er seines Berufs als Pestprediger treu warte, wirklich, und der Geächtete kehrte frei in das Vaterland zurück, begab sich stündlich in Gefahr des Todes, denn 2228 Personen starben in Annaberg, aber unberührt blieb er von der Pest, und wie nun die erbarmungslose Feindin des Menschenlebens zu Ende des Jahres das ach! so still gewordene Annaberg verließ, da wurde der völlig nun Begnadigte als Pastor zu Breitenbrunn angestellt, wo er bis zum Jahre 1594 lebte und hier am Altare von einem Schlagflusse getroffen so schnell zu Boden sank, wie dreyßig Jahre zuvor der Unglückliche den er erschlagen hatte.

Quelle: Hering, Carl Wilhelm Geschichte des Sächsischen Hochlandes


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