Sagenschatz

Der bestrafte Gotteslästerer zu Zwickau

Zwickau

Im Herbst des Jahres 1594 ist zu Zwickau M. Wolfgang Raabe, eines Tuchmachers Sohn, Geistlicher daselbst verstorben, welcher etliche Jahre rasend gewesen war und an Ketten gelegen hatte. Es hat ihn aber Gott also wegen Gotteslästerung gestraft. Als nämlich etliche Professoren zu Wittenberg die gotteslästerische calvinische Lehre eingeführt, hat sich dieser M. Raabe auch mit verführen lassen, und ist es mit ihm so weit gekommen, daß er sehr schimpfliche und gotteslästerliche Reden, vornehmlich vom Abendmahl ausgestoßen, worauf er bald seiner Sinnen beraubt und thörigt worden. Nachdem ihm nun seine Eltern nach Hause bringen lassen, ist’s nicht besser mit ihm geworden, sondern er hat sich stets ungeberdig und in Reden leichtfertig gezeigt. Dabei hat er sehr gefressen (maßen er dieses Wort in seiner Gotteslästerung auch gebraucht) und ist nicht zu ersättigen gewesen. Endlich als etliche Knaben mit einem verdorbenen Kürbis auf der Gasse gespielt und sich mit den Stücken geworfen, hat er an den Ketten hängend und zum Fenster hinaussehend gesagt, sie sollten denselben ihm geben, was sie auch gethan. Da hat er den Kürbis im Grimm also roh hineingefressen und ist bald darauf gestorben. Er hat auch Einen seines Gleichen von Reichenbach, Namens N. Havel, zu Wittenberg bei sich gehabt, der auch große Gotteslästerung getrieben und eine schimpfliche Handlung mit dem Crucifix vorgenommen, der ist auch, seiner Sinnen beraubt, etliche Jahre daselbst im Bollwerk in Ketten gelegen und endlich auch also gestorben.

Quelle: Grässe Sagenschatz des Königreichs Sachsen


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