Sagenschatz

Das Gespenst bei dem Churfürsten Moritz in Torgau

Torgau

Als Churfürst Moritz zu Torgau einmal Fastnacht hielt und nach seiner Gewohnheit den Markgrafen Albrecht und seinen Bruder dazu eingeladen hatte, geschah es, als dem Markgrafen Albrecht, der seiner Gewohnheit nach sich im Trinken überladen hatte, der Churfürst Moritz mit seinem Bruder zur Seite saß und sie von verschiedenen Dingen sich unterredeten, daß eine Jungfrau kam und sich zwischen Markgraf Albrecht und Churfürst Moritz setzte. Da Herzog August dieses zuerst sah und über die Gestalt des Gespenstes erschrack, erinnerte er den Bruder, er solle mit ihm aus dem Tafelgemach gehen, denn es ahne ihm nichts Gutes, und er finde Bedenken, länger daselbst zu weilen. Hierauf sah auch der Churfürst die Jungfrau und sprach schreckensvoll zu Markgraf Albrecht: „was habt Ihr da für eine Jungfrau?“ Dieser antwortete: „lasset sie bei mir sitzen!“ und fluchte dabei über selbige. Da aber die beiden Fürsten von Markgraf Albrecht Abschied nahmen, verschwand die Jungfrau auch, Markgraf Albrecht bewegte sich hierüber gar nicht, sondern blieb sitzen, ließ etliche von Adel zu sich holen und brachte die Nacht, wie er angefangen hatte, vollends mit Trinken zu.

Quelle: Grässe Sagenschatz des Königreichs Sachsen


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