Sagenschatz

Wie das Schneeberger Silberbergwerk entdeckt ward

Schneeberg

Zu dem Rittergut Neustädtel bei Schneeberg gehörte ein ungeheurer Wald, in dem außer wilden Thieren sich kein lebendes Wesen aufhielt, ausgenommen in einer von Schlema aus betriebenen Eisenzeche. Dorthin verirrte sich um 1740 ein böhmischer Hausirer, Sebastian Romner aus Crems, und ließ sich vom dasigen Steiger auf den rechten Weg zurückführen, der ihm klagte, daß jetzt sein Gestein zu sehr an Eisengehalt abnehme, Romner aber in der Meinung, das Erz könne wohl etwas anderes Gutes enthalten, nahm einige Stücke mit nach Jörkau und Nürnberg, wo die Probirer es für das reichste Silbererz erklärten. Romner kehrte nun nach Sachsen zurück, um diese Entdeckung möglichst auszubeuten, wird aber in Zwickau wegen Trunkenheit festgenommen und läßt vor dem Hauptmann Mülich von Carlowitz die Worte fallen, er wisse in der Nähe einen Schatz, der einen wohl zum Herrschaftsbesitzer machen könne. Als dies der Hauptmann hört, läßt er sich von Romner nach jener Eisengrube, die sein eigenes Besitzthum ist, führen, und beide beginnen auch zusammen den Silberbau. Der Kremser Schustergeräthsträger verheirathete sich aber bald mit Anna von Bünau, einer Muhme jenes Hauptmanns, und hat so das Geschlecht der Römer auf Neumark begründet. Sonst soll zuerst die Erzstufe durch den Hufschlag eines Pferdes, das in der Gegend des heutigen Schneebergs in die Erde gescharrt, entdeckt und zum Gedächtniß ein aufgenietetes Hufeisen lange bei St. Georgs Zeche zu sehen gewesen sein.

Quelle: Grässe Sagenschatz des Königreichs Sachsen


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