Sagenschatz

Die vom Teufel besessene Frau zu Freiberg

Freiberg

Im Jahre 1600 ist Anna Stephan Fiedlerin eine- Kindes zu Freiberg genesen, und als ihr Mann bei ihr am Bette gesessen und der Gevatterschaft halber sich mit ihr unterredet, ist dieser plötzlich krank geworden, worüber sie sich dermaßen entsetzt, daß ihr Blut über sich gestiegen und ihr Schmerzen über Schmerzen zugezogen. Von da an hat sie immer abscheuliche Konvulsionen und Gesichte gehabt, ist ihr auch der Teufel mehrmals, das eine Mal in Gestalt der Hebamme erschienen und hat sein Spiel mit ihr getrieben. So hat er sie einmal aus dem Bette gerissen und oben auf die Dachrinne zwischen ihrem und ihres Nachbarn Hause gesetzt, ein anderes Mal hat man sie um drei Uhr Morgens auf dem Ofen, ein ander Mal vor dem Fenster auf einem Stein gefunden, endlich ist sie einmal in Gegenwart zweier sicherer Zeugen im Bette mit dem ganzen Leibe, Händen und Füßen aufgehoben worden, und ohne daß sie irgendwo angestoßen, hat sie so frei geschwebt, also daß man geglaubt, sie wolle zum Fenster hinaus sehen , in der Kirche ist der Teufel wie eine Katze oder Hund ihr um die Beine gekrochen, dann hat sie aber zum Oeftern einen weißen hellen Glanz gesehen, der sie getröstet und in die Zukunft hat sehen lassen, worauf sie vielerlei wunderbare Sachen, unter andern die Drangsale Freibergs im 30 jährigen Kriege, prophezeit hat. Endlich, nachdem weder Beschwörungen noch Zureden und Ermahnungen der Geistlichkeit, noch Arzneimittel geholfen, sondern ihr Zustand an die 20 Jahre angedauert, also daß sie zuletzt drei ganze Jahre verschlossenen Leibes gewesen, ist sie den 10. October 1620 selig verstorben.

Quelle: Grässe Sagenschatz des Königreichs Sachsen


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