Sagenschatz

Die Wallfahrt zur schönen Marie bei Freiberg

Freiberg

Im Jahre 1261 sind die Geißler in großer Zahl in das Land Meißen gekommen und auch in die Stadt Freiberg gezogen, wo damals stark zur sogenannten schönen Marie gewallfahret ward. Sie sind halb nackend zwei und zwei baarfuß in rothen offenen Mänteln, so spanisch Armilausen heißen, einhergeschritten, allein ob sie wohl sich gegeisselt und große Buße und Heiligkeit vorgegeben, hat sie Bischofs Albrecht zu Meißen doch nicht leiden wollen, weil sie eine neue Seele seien, und haben sie bald wieder aus der Stadt weichen müssen. Von jener Wallfahrt meldet aber ein Cellischer Mönch, so sich Conrad von Freiberg nennt, es sei diese zu einem Marienbilde, das von Wachs in menschlicher Größe schön und zierlich geformt gewesen und in einer besondern Kapelle (wahrscheinlich im Johannishospitale oder der Frauenkirche) gestanden habe, gegangen, dorthin wären Leute von allen Orten, gerade wie wenn sie bezaubert gewesen, in Haufen zusammengeströmt, und was ein Jeder, Mann oder Frau, von seiner Arbeit gerade in der Hand gehabt, wie ihn diese Tollheit ergriffen, das habe er mit sich genommen und allda gelassen, wie auch viele krumme, lahme und andere preßhafte Menschen, die sich zu diesem Bilde gewendet und Gelübde verrichtet, gesund worden und ohne Mangel wieder davon gegangen sein sollen. Diese Wallfahrt hat lange Zeit gewährt, bis man erfahren, daß unter dem Scheine der Heiligkeit ein böses sodomitisches Leben und viel Schande und Laster getrieben werde, worauf durch ein Fürstlich Edict dem Pilgern dahin und den unordentlichen Zusammenkünften gesteuert und solche mit Ernst abgeschafft worden sind.

Quelle: Grässe Sagenschatz des Königreichs Sachsen


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