Sagenschatz

Die Schätze bei der Prokopikirche in Graupen

Krupka

Die Sage weiß von großen Schätzen zu erzählen, welche neben und unter der Prokopikirche in Graupen verborgen liegen. Sie sollen in Kriegszeiten eingegraben worden sein. Vor Jahren pflügte auf dem nahen Felde ein Landmann, plötzlich sah er einen elegant gekleideten jungen Mann vor sich stehen, der bald ein Gespräch mit ihm anknüpfte und sich eingehend um seine Verhältnisse erkundigte. Der Mann klagte über die schweren Zeiten, über harte Arbeit und schmalen Verdienst. „Ei was,“ rief der rätselhafte Fremde aus, „da ist euch bald geholfen, geht nur auf den Friedhof der Prokopikirche, dort werdet Ihr knapp an der Friedhofmauer auf einem Grabhügel ein weißes Tuch erblicken. An dieser Stelle müsst Ihr so lange graben, bis Geld zum Vorschein kommt. Finden müsst Ihr es sicher, die Tiere dürft Ihr aber unter keiner Bedingung auf den Friedhof führen.“ Darauf verschwand der Jüngling. Der Bauer zog noch einige Furchen, bis die Turmuhr die zwölfte Mittagsstunde ankündigte. Er wollte aber seine Ochsen nicht allein lassen und dachte bei sich. Der Jüngling ist ja nicht da und weiß nichts davon, wenn ich sie mitnehme, zudem postiere ich sie ja ohnehin nur am Eingange. Gesagt, getan, er betrat den Friedhof und bald war auch das bezeichnete Grab gefunden. Nun gings rasch an die Arbeit und, o Wunder! Mit einem Male blenden gleißende Goldstücke, die eine große, geöffnete Kiste füllen, seine Augen. Er will darnach greifen, da tritt ein nebelhaftes, graues Männchen dazwischen, schlägt mit Gewalt den Deckel wieder zu und deutet mit wilder Geberde dem Manne an, er möge sich mit seinem Gespanne gleich von hier entfernen und den heiligen Ort nicht fürder entweihen. Kaum war er mit den Tieren draußen, so schlossen sich auch die beiden Torflügel mit solcher Wucht, dass ihm der Schlag durch Mark und Bein ging.
Das schlaue Bäuerlein ließ sich indes durch diesen fruchtlosen Versuch nicht abschrecken, ging später wieder auf den Friedhof und grub aus Leibeskräften an jener Stelle, aber die Kiste mit den Goldstücken hat er nicht wieder gesehen.

Quelle: Köhler Sagenbuch des Erzgebirges

Sagenbuch des Erzgebirges
zurück