Schatzsagen vom Lilienstein

Ebenheit

Der Lilienstein, ein dem Königstein gegenüberliegender hoher Fels. Der, von ferne gesehen, ganz von der Elbe umflossen zu sein scheint, ist früher bewohnt gewesen, wie man noch heute aus alten Steinmauern auf seiner Höhe sehen kann. Man erzählt sich, daß einige Personen, die aus Neugierde denselben betreten hätten, plötzlich einen Keller mit einer eingemauerten Türe vor sich gesehen, aus Furcht aber nicht hineingegangen wären, sich jedoch den Ort so genau angemerkt hätten, daß sie ihn, wenn sie wieder zurückkehrten, eigentlich ohne Mühe hätten finden müssen. Gleichwohl haben sie später weder ihr gemachtes Merkmal, noch Ort, noch Keller wiedererkennen können. Es soll sich aber in demselben ein großer Schatz, eine ganze Braupfanne voll Dukaten befinden, der aber nur gehoben werden kann, wenn man eine reine Jungfrau opfert.

1. Einstmals hatten sich mehrere Schatzgräber zusammengefunden, um diesen Schatz zu heben; auch eine Magd aus Waltersdorf, die sich nicht gerade durch Klugheit auszeichnete, war durch Geld gewonnen worden, sich an der Schatzhebung zu beteiligen. Die Vorbereitungen waren getroffen, allen Beteiligten war zur Pflicht gemacht worden, kein Wort zu sprechen, was auch kommen möge, sonst wäre der Zauber vereitelt. Nachdem die Beschwörung ihren Anfang genommen hat, erscheint ein Tier mit feurigem Rachen, auf dessen Zunge der Schlüssel zum Schatze liegt. Das Mädchen soll den Schlüssel herausnehmen. Da ruft sie, jene Mahnung vergessend, plötzlich aus: «Ach Herrjeses!» Und im Nu verschwindet die Gespenstererscheinung, und die Schatzgräber werden nach allen Richtungen hin auseinander geschleudert; der eine flog nach Ebenheit, der andere nach Königstein, der dritte nach Waltersdorf usw. wo man sie am anderen Morgen, zwar unbeschädigt, liegen fand.

Die Magd kam mit dem Schrecken davon; sie hat noch lange Zeit in Waltersdorf gelebt und mit Grausen von jener Nacht erzählt.

2. Ein ander Mal ist eine arme Frau aus Waltersdorf mit ihrem Kinde auf den Lilienstein in die Beeren gegangen. Da bemerkt sie plötzlich am Berge eine offene Türe und sieht in dem Gewölbe, welches diese verschließt, eine Menge Goldhaufen liegen; sie setzt also das Kind auf einen dabei stehenden goldenen Tisch, rafft emsig so viel von den Haufen, als sie in ihrer Schürze fortbringen kann, auf und eilt damit, ihr Kind zurücklassend, nach dem draußen stehenden Korbe. Als sie aber umkehrt, findet sie die Türe nicht mehr und muß also auch ihr Kind als verloren ansehen. Nach Verlauf eines Jahres geht sie aber an demselben Tage und zu derselben Stunde wieder an den nämlichen Ort, findet auch die Türe wieder und erhält auch ihr Kind unversehrt, welches auf dem Tische mit goldenen Äpfeln und Birnen spielt, gleichsam als wäre seitdem nur ein Augenblick verflossen, zurück.

Quelle: Meiche Sagenbuch der Sächsischen Schweiz und ihrer Randgebiete


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Vermuteter Sagen-Ort (ich war ja nicht dabei). Wer es besser weiß, kann mir bitte bitte einen Tipp geben.